Mammasonographie in der Brustkrebsvorsorge

Die Mammasonographie ist ein bildgebendes Verfahren, das zur Diagnostik von Befunden der weiblichen Brust nicht mehr ausgeschlossen werden kann. Tastbare oder auch sehr kleine, nicht zu tastende Befunde können mit Hilfe des UItraschalls gezeigt werden. Das Vermessen von Befunden, die exakte Darstellung des Befundes hinsichtlich Größe und Beschaffenheit, erlaubt eine Aussage bezüglich eines Krebsrisikos. Die Mammasonographie ist somit immer eine sinnvolle ergänzende Untersuchung zur bekannten Mammographie.

Eine Untersuchungsmethode in der Diskussion

Häufig wird die Frage gestellt: „Wie sinnvoll ist die Mammasonographie in der Brustkrebsvorsorge?“ Die Mammasonographie ist eine anerkannte und etablierte Untersuchungsmethode zur Abklärung von Herdbefunden der Brust. In der aktuellen S3-Leitlinie Brustkrebs aus dem Jahr 2012 hat die Mammasonographie im Rahmen der Untersuchung unklarer Brustbefunde und nicht tastbarer mammographischer Befunde den höchsten Empfehlungsgrad erhalten. Während eine Reihe von Studien bereits auch den sinnvollen Einsatz der Mammasonographie im Rahmen der Brustkrebsvorsorge belegen, wird diese Indikation von Seiten der gesetzlichen Krankenkassen kritisch bewertet. Grundlage dieser Bewertung sind insgesamt sechs Studien, von denen die aktuellste im Jahr 2008 veröffentlicht wurde, alle anderen sind über zehn Jahre alt.

Da die Mammasonographie als Vorsorgeuntersuchung nicht im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen enthalten ist, wird diese Untersuchung in Deutschland derzeit als „individuelle Gesundheitsleistung“ (IGeL oder Wunschleistung) angeboten, d. h. die Kosten dieser Untersuchung müssen selbst übernommen werden.

In der Annahme, dass kleine Knoten in der Brust meist nicht getastet werden können, bieten wir bei symptomlosen Frauen Mammasonographien an allen drei Praxisstandorten mit hochauflösenden Ultraschallsonden als Wunschleistung an.

Hohe Entdeckungsrate

Um zu prüfen, ob unsere Patientinnen davon auch wirklich profitieren, haben wir 10.060 IGeL-Mammasonographien, die in den letzten sechs Jahren in unserer Gemeinschaftspraxis durchgeführt wurden, ausgewertet. In diesem Zeitraum wurden 40 Mammacarcinome bei symptomlosen Frauen entdeckt, das entspricht einer Entdeckungsrate von 4 ‰. Damit erreichen wir mit der Mammasonographie fast das Niveau des Mammographiescreenings.

Tumorgröße und Lymphknotenstatus

Wesentliche Prognosefaktoren für ein Mammacarcinom sind die Tumorgröße und der Lymphknotenstatus. Die von uns durch eine Mammasonographie entdeckten Brustkrebse waren durchschnittlich weniger als halb so groß (12,9 mm) als die durch einen Tastbefund aufgefallenen Knoten (30,7 mm).

Histologische Tumorgröße

Histologische Tumorgröße

Das Ziel, kleine Knoten und damit Frühformen von Brustkrebs (T1) zu finden, konnte damit eindrucksvoll erreicht werden: 93 % der kleinen Knoten wurden über die Mammasonographie entdeckt, nur 37 % über den Tastbefund.

Ein weiteres Kriterium für die Entdeckung von Frühformen ist der Lymphknotenstatus. Bisher waren alle entfernten Wächterlymphknoten (Sentinel Node Biopsien), also 100 % der durch eine Mammasonographie gefundenen Mammacarcinome, tumorfrei. Bei einem Tastbefund waren dies nur 48 %.

Mammographie und Alter

Während die meisten Herdbefunde sowohl im Ultraschall als auch mammographisch dargestellt werden können, hängt die Zuverlässigkeit der Mammographie neben anderen Faktoren wesentlich vom Alter der untersuchten Frauen ab. Bei Patientinnen unter 50 Jahren mit einem sonographisch entdeckten Brustkrebs konnte dieser in 23 % der Fälle nicht mammographisch nachgewiesen werden, bei über 50-jährigen waren es demgegenüber nur noch 18 %.

Es gibt aber auch Strukturen, wie z. B. Mikrokalk, die meist nur in der Mammographie erkennbar sind. Mammasonographie und Mammographie ergänzen sich somit nach unserem Verständnis optimal.

Zusammenfassung

Anhand der ausgewerteten Daten unserer Praxis können wir zeigen, dass unsere Patientinnen von Mammasonographien als effektive und darüber hinaus risikofreie Untersuchungsmethode zur Erkennung von Frühformen von Brustkrebserkrankungen profitieren. Auch im Altersintervall des Mammographiescreenings kann ein ergänzender Brustultraschall die Brustkrebsentdeckungsrate noch verbessern.